Allahu AkbarGott und Gottesverständnis im Islam03.11.2008 Brigitte Jaeger-Dabek
Wie ist Gott bei den Muslimen? Ein Gott zum Fürchten oder ein barmherziger Gott, der menschliche Unzulänglichkeiten verzeiht?
Allahu akbar - man liest es auf der Flagge des Irak, man sieht es auf Tausenden kunstvoller Kalligraphien und man hört es einem Mantra nicht unähnlich wie eine beschwörende Formel, und zuweilen auch wie einen Schlachtruf. Allahu akbar - Die Größe Gottes"Gott ist groß" wird "Allahu Akbar" meistens übersetzt, doch grammatikalisch ist das nicht ganz korrekt. Wörtlich ins Arabische übersetzt würde Gott ist groß "Allahu kabir" heißen. Das Wort akbar ist grammatikalisch gesehen aber die Steigerungsform (Komparativ) des Adjektivs kabir (groß). Also heißt "Allahu akbar" eigentlich "Gott ist größer". Gemeint ist damit, dass für den Muslim Gott größer ist als alles, was menschlicher Geist erfassen und sich ausdenken kann. Im Islam bedeutet Gott absolute Größe und Allmacht. Allahu akbar beschreibt demnach eine dem menschlichen Geist unvorstellbare Größe, Gott ist aber nicht nur allmächtig, sondern auch allwissend. La Ilaha il Allah - Der einzige Gott"La Ilaha il Allah", wie es im Glaubensbekenntnis der Muslime, der Shahada heißt bedeutet, dass es im Islam keinen Gott außer Gott gibt. Dabei bleibt Gott transzendent, auf ewig geheimnisvoll und unerkennbar. Auch Sure 42,11 betont, dass es nur einen Gott gibt und nichts ihm gleicht. Der Islam ist also neben Judentum und Christentum die dritte monotheistische Weltreligion. Vom Gott der christlichen Bibel unterscheidet den Gott der Muslime die Tatsache, dass dort Gott wohl Schöpfer ist, nicht aber Vater, denn im Islam hat Gott keinen Sohn und die Gläubigen sind auch nicht seine Kinder. Jesus wird dort genauso allein als Mensch und Prophet gesehen wie Muhammad. Gott etwas oder jemanden an die Seite zu stellen in Form der christlichen Dreieinigkeit oder der Gottessohn-Eigenschaft von Jesus wird im Islam als Sünde betrachtet. Muhammad kommt lediglich eine herausgehobene Stellung unter den Propheten zu, denn er ist der Letzte in ihrer Reihe. Bismi 'llahi Ar-Rahmani Ar-Rahim – Der gnädige GottIm Gegensatz zu der in westlichen Ländern weit verbreiteten Ansicht ist der Gott des Koransd weden grausam, noch willkürlich oder hartherzig. Im Gegenteil wird im Koran vielfach betont, dass Gott barmherzig ist. " Bismi 'llahi Ar-Rahmani Ar-Rahim" heißt "im Namen Gottes des Gnädigen, des Barmherzigen". Damit beginnt in der Eröffnungssure "Fatiha" der Koran. Dieser Satz steht jeder Sure mit Ausnahme der 9. wie eine Formel vor. So erfährt der Gläubige immer wieder die Bedeutung der Barmherzigkeit Gottes, wenn er die "Basmala" liest, wie diese Formal heißt. Die Barmherzigkeit gehört elementar zum Gottesverständnis des Islam, ist erstes Handlungsprinzip Gottes und eine seiner herausragenden Eigenschaften. Darauf kann jeder Gläubige genauso vertrauen, wie auf die Vergebung Gottes. Doch ist diese Barmherzigkeit keinesfalls ein Freibrief für Untaten, denn gute Taten sind genauso Bedingung für den Einzug ins Paradies wie die Unterwerfung unter Gott, also der Glaube an sich. Der Ungläubige kann Gottes Barmherzigkeit genauso wenig erwarten wie derjenige, dessen schlechte Taten die guten am Tag des Gerichts überwiegen. Der Christ hingegen wird allein ob seines Glaubens errettet und allein durch Gottes Gnade. Auch als Sünder wird der Christ von Gott geliebt. Der Gott der Christen nämlich kennt das Versagen der Gläubigen und nimmt sie dennoch an, wenn sie um Vergebung bitten. Fest verankert ist im Christentum auch die Feindesliebe, die es im Koran und Islam nicht gibt. Der Koran gebietet aber die Überwindung des Bösen durch Gutes, die aus Feindschaft Freundschaft macht. Im Islam wird klar unterschieden zwischen der Gemeinschaft der Gläubigen wie in Sure 16,90: Wahrlich, Allah gebietet, gerecht zu handeln, uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein. Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist." Diese Gutherzigkeit soll Ungläubige zum Glauben einladen. Solange sie allerdings ungläubig sind, trifft sie weder Gottes Barmherzigkeit noch die der gläubigen Muslime. Die ist im Islam letztlich der Gemeinschaft der Gläubigen vorbehalten. Lesen Sie weiter über die "Fünf Säulen des Islam".
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